Der blinde Fleck – der Killer für Selbstvertrauen

 

Killer für Selbstvertrauen

Wer von uns kennt das nicht: andere Menschen sehen Stärken und liebenswerte Seite an uns, für die wir selbst keinen Blick haben. In der Psychologie nennt man so etwas auch „blinde Flecken“. Blind schlichtweg deshalb, weil wir diese Eigenschaften an uns nicht sehen, sie jedoch existieren. Das Prinzip gilt übrigens auch für die eigene Schwächen und ungeliebte Seiten. Allerdings sind die meisten von uns in Bezug auf eigene Stärken deutlich blinder als in Bezug auf die eigenen Schwächen.

Ein kleines Gedankenexperiment dazu. Überlegen Sie mal, welche 5 Stärken Sie an sich selbst schätzen? Nehmen Sie gerne Zettel und Stift zur Hand und dann notieren Sie die Punkte, die Ihnen spontan einfallen. Fertig? Dann machen Sie das gleiche bitte mit Ihren Schwächen. Sammeln Sie nun 5 Ihrer vermeintlichen Schwächen und halten Sie sie fest. Auch fertig? Dann vergleichen Sie nun bitte die beiden Listen. Und, was fällt Ihnen auf?

Blind für die eigenen Stärken

Ich nehme an, die Liste mit Ihren Schwächen ist Ihnen deutlich einfacher gefallen, als die Liste mit Ihren Stärken. Vielleicht sind Ihnen auch gar keine 5 Stärken eingefallen. Auch das kommt vor, und zwar viel häufiger, als Sie vielleicht denken. Warum das so ist: in punkto unserer Stärken sind wir oft blind – sehen sie also nicht, was wir gut können. Oft halten halten wir sie auch für selbstverständlich, und messen ihnen deshalb wenig Gewicht bei. Wenn es allerdings um unsere Schwächen geht, da haben wir Adleraugen. Dazu fällt uns oft eine ganze Menge ein. Manchmal sogar mehr, als uns lieb ist.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Und geht das nur Ihnen so? Ich kann Sie beruhigen: Sie befinden sich damit in bester Gesellschaft. Viele von uns haben diese blinden Flecken für eigene Stärken, ich übrigens auch.

Mein blinder Fleck

Ich zum Beispiel habe oft einen blinden Fleck, wenn es darum geht, meine eigene Leistung zu sehen. Wie sich das bei mir äußert? Nehmen wir einfach mal das Jahr 2016. Ich habe meinen Job gekündigt, eine Führungsposition abgelehnt, reise ein Jahr lang auf eigene Faust um die Welt, führe über 300 Interviews und schreibe mein erstes eigenes Buch bei einem renommierten Verlag. Ich habe mich somit Hals über Kopf in ein Abenteuer gestürzt, in dem es von Herausforderungen nur so wimmelt. Reisen organisieren, Interviewpartner gewinnen, mich in Foto- und Videotechnik einarbeiten, allein die Finanzierung stemmen und mein erstes Buch schreiben …. All das gehört nun zu meinem Alltag. Mittlerweile habe ich bereits 5 Länder bereist, mehr als 130 Interviews geführt und die Zusage meines Wunschverlags für das Buch erhalten. Und all das finde ich im Grunde irgendwie normal. Jedenfalls nicht außergewöhnlich.

Der Mechanismus dahinter

Warum ich so denke? Ein Teil davon ist sicherlich Bescheidenheit. Es liegt mir nicht, mich hinzustellen und mich selbst über den Klee zu loben. Darin sind andere deutlich besser als ich. Der weitaus größere Teil daran, dass ich das alles für „normal“ halte, hat allerdings damit zu tun, wie ich das, was ich bereits erreicht habe, bewerte. Ich denke: andere gehen ja auch Risiken ein, wechseln ihren Job und sind erfolgreich. Somit ist das, was ich tue, nichts Besonderes.

Es ist nicht so, dass ich nicht sehe, was ich in diesem Jahr alles geschafft habe. Das erkenne ich schon – meistens jedenfalls. Es ist vielmehr so, dass mein blinder Fleck in der Bewertung liegt. Denn das, was ich bisher getan und erreicht habe, ist außergewöhnlich und etwas Besonderes.

Woher weiß ich das nun, wenn ich doch eigentlich blind dafür bin? Von Freunden, Verwandten, Kollegen, Kunden und Interviewpartnern. Beispiele dafür gibt es viele. All diese Menschen spiegeln mir immer wieder zurück, dass mein Weg, und das, was ich bisher erreicht habe, etwas Besonderes ist. Und langsam beginne auch ich das zu begreifen – und mein blinder Fleck wird kleiner.

Die Vertrauensfalle

Was aber haben blinde Flecken mit Vertrauen zu tun? Warum sind sie eine von vielen Vertrauensfallen in unserem Alltag? Mit Vertrauensfallen meine ich Dinge, die uns Vertrauen erschweren – und dazu zählt auch Selbstvertrauen.

Stellen Sie sich vor, egal was Sie tun, wie gut Sie sind und was sie erreichen, Sie finden das alles ständig „normal“ oder „gewöhnlich“ ? Sie sehen nicht, dass Sie das nur mit viel Einsatz, Disziplin, guten Ideen und Umsetzungsstärke geschafft haben. Womöglich glauben Sie noch, dass Sie einfach nur Glück hatten oder zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Kurzum: Sie erkennen nicht Ihren eigenen Beitrag am Erfolg und schieben die Verantwortung dafür womöglich anderen Personen oder sogar dem Zufall zu. DAS ist ein blinder Fleck für die eigenen Stärken – und ein wahrer Selbstvertrauens-Killer!

So lassen Sie Ihre blinden Flecken schrumpfen

Was können wir nun tun, um einem Mord auf Raten an unserem Selbstvertrauen vorzubeugen? Wie können wir dafür sorgen, dass unsere blinden Flecken für unsere Stärken schrumpfen? Hier 3 Tipps, wie Sie Ihre blinden Flecken reduzieren:

  • Würdigen Sie den eigenen Beitrag:  Wenn Sie etwas erreicht haben, fragen Sie sich bewusst: Was ist mein Anteil an diesem Erfolg? Was konkret habe ich dazu beigetragen? Welche meiner Stärken sind hier zum Tragen gekommen?
  • Bitten Sie andere um FeedbackHolen Sie sich bewusst die Meinung von anderen ein. Hier empfiehlt sich, sich jemanden zu suchen, der Ihnen wohlgesonnen ist und von dem Sie glauben, dass er Ihnen eine ehrliche und differenzierte Rückmeldung geben kann. Der Grund: Äußerungen wie „Du hast das toll gemacht“ fühlen sich zwar im ersten Moment gut an, sind aber wenig wirkungsvoll.  Zumindest wenn es um das Schrumpfen unserer blinden Flecken geht. Hilfreicher ist, wenn Sie konkret erfragen können, was Ihr Gegenüber denn genau toll findet und was seiner Meinung nach Sie dazu beigetragen haben.
  • Nehmen Sie Komplimente an:  Viele von uns verspüren den Impuls, ein Kompliment direkt abzuwehren. Das ist nicht wertschätzend – weder uns noch dem anderen gegenüber. Schließlich sprechen wir dem anderen damit indirekt ein Stück seiner Urteilsfähigkeit ab. Anstatt ein Kompliment abzulehnen oder kleinzureden, versuchen Sie doch einmal, eine wertschätzende Äußerung dankend anzunehmen. Und dann lassen Sie sie wirken. In Komplimenten verstecken sich häufig ein paar unserer Stärken, die andere an uns schätzen. Nutzen Sie diese Rückmeldung, um Ihren blinden Fleck zu verkleinern und seien Sie neugierig auf das, was andere an Ihnen mögen.

Mit diesen 3 Tipps schaffen Sie es, Sie einen besseren Blick für Ihre eigenen Stärken zu entwickeln, sich selbst bewusster wahrzunehmen und absolvieren ganz nebenbei noch ein kleines Training für positives Denken. Das macht nicht nur glücklich und zufrieden – es steigert auch Ihr Selbstvertrauen.

Probieren Sie es doch einfach mal aus!

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